Krankenhausstrukturreform – es geht nicht nur um die medizinische Bewertung
Die anhaltenden Diskussionen über die Zentralisierung von Krankenhäusern und die Schließung kleinerer Standorte wirft nicht nur medizinische, sondern auch regionale, wirtschaftliche und soziale Fragen auf. Es ist unbestritten, dass große Krankenhäuser medizinische Vorteile bieten, insbesondere durch spezialisierte Abteilungen und modernste Technologie. Doch es darf nicht vergessen werden, dass es bei der Diskussion um Krankenhausstandorte um mehr geht als nur um Fachlichkeit.
Besonders für ältere Menschen sind kurze Wege von entscheidender Bedeutung. In ländlichen Regionen wie unserer, in der Wege zu Arbeitsplätzen und zentralen Einrichtungen wie Krankenhäusern immer weiter werden, sind lange Anfahrtswege eine zusätzliche Belastung. Gerade Senioren sind auf wohnortnahe medizinische Versorgung angewiesen. Große Krankenhäuser in Städten wie Osnabrück mögen zwar hoch spezialisiert sein, doch die Anreise ist oft eine größere Hürde – Parkplätze sind rar, teuer und weit entfernt vom eigentlichen Ziel, nicht nur für Patienten, sondern auch für Angehörige und Besucher. Zudem fühlen sich Senioren im Stadtverkehr teilweise unsicher und der ÖPNV erfüllt die
notwendigen Anforderungen dafür auch nicht.
Hinzu kommt, dass große Kliniken weniger persönlich wirken. Patienten und Angehörige fühlen sich oft orientierungslos in den weitläufigen Gebäuden und vermissen den persönlichen Bezug, den sie in kleineren, regionalen Krankenhäusern gewohnt sind. Die Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit "ihrem" Krankenhaus spielt hier eine nicht zu unterschätzende Rolle.
Die Corona-Pandemie hat zudem gezeigt, dass eine dezentrale Krankenhausstruktur von großem Vorteil sein kann. Viele Standorte bedeuten eine bessere regionale Versorgung und Flexibilität in Krisenzeiten. Die Schließung kleinerer Standorte zugunsten von zentralen Großkliniken wäre ein Verlust, der zu Lasten der ländlichen Räume geht.
Politik in der Verantwortung Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik sind gefordert, diese Entwicklung nicht nur durch die medizinische Brille zu bewerten. Es geht auch um regionale Identität, wirtschaftliche Stabilität und soziale Aspekte. Die Verantwortung kann nicht allein auf die Betreiber abgewälzt werden – die Politik muss aktiv Perspektiven aufzeigen und Lösungen entwickeln, die den Bedürfnissen der Menschen in allen Regionen gerecht werden.
Wir fordern daher eine ganzheitliche Betrachtung der Krankenhausstruktur, die die Lebensrealität der Menschen in ländlichen Regionen einbezieht. Wir setzen uns für eine wohnortnahe Versorgung ein, die die regionale Identität und die sozialen Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger respektiert.
Die Entscheidungen, dass Ostercappeln zukünftig kein Krankenhaus-Standort ist, wie wir ihn kennen, sind wohl gefallen. Aber was passiert an dem Standort zukünftig? Was kann durch den Wegfall des Krankenhauses durch andere Lösungen und Modelle kompensiert werden? Wie sieht die Perspektive der anderen Krankenhaus-Standorte im Landkreis Osnabrück und der Region aus? Wie wird eine Gesundheits- und Krankenhausversorgung in unserer Region dauerhaft gesichert? Das sind Fragen, die die Politik beantworten muss, Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik zusammen. Wir brauchen hier eine aktiviere Rolle der Politik, gerade im ländlichen Raum.